Göttingen
Brokatrock und Perücke
Georg Friedrich Händel war ein Komponist, der vor 300 Jahren gelebt hat. Seit 85 Jahren werden ihm zu Ehren in Göttingen die Händel-Festspiele gefeiert. Auch für Kinder gab es Veranstaltungen zu dem großen Komponisten.
Halleluja!” Mit dem wohl berühmtesten Jubelgesang Georg Friedrich Händels auf den Lippen betritt ein wunderlich gekleideter Mann den kleinen Saal des Holbornschen Hauses in Göttingen. Fast 50 Kinder und ihre Eltern erwarteten ihn dort schon voller Spannung. Mit seinem schimmernden Brokatrock, der spitznedurchwirkten Rüschenbinde um den Hals, seidenen Kniehose und gepuderter Perücke auf dem Kopf könnte man beinahe meinen, der Meister selbst sei im Rahmen der Festspiele nach Göttingen gekommen.
Die Kleinsten im Publikum sind sich da offensichtlich nicht so ganz sicher. Doch die Großen wissen es besser. Es ist Geoffrey Thomas, der ihnen so manches aus Händels Leben erzählen wird. Was jedoch auch unter ihnen nur die wenigsten wissen ist, dass der amerikanische Cembalo-Spieler heute in Budapest lebt. Dort hat er sich als Gründer und künstlerische Leiter eines Barockorchesters der Aufführung alter Musik auf historischen Instrumenten verschrieben.
Unbändige Musikalität
Weil er in vielen Ländern gelebt und gearbeitet hat, spricht Thomas auch viele Sprachen. Mühelos würzt er seine deutschen Plaudereien mit französischen, italienischen und englischen Wörtern, um Händel und eigene seiner Zeitgenossen zu neuem Leben zu erwecken. Ob Händels Vater, der erst zögerlich die nicht zu bändigen Musikalität seines Sohnes förderte, oder Fräulein Buxtehude aus Lübeck: Thomas genügt ein Umhang, eine Schärpe oder auch ein damenhaftes Spitzenhäubchen mit Schürze, um zu Freude der kleinen und großen Gäste in die Verschiedensten Rollen zu schlüpfen.
Doch auch die Musik kommt nicht zu kurz. Zahlreichen Einlagen gibt Thomas auf einem Nachbau eines frühen Christofori-Hammerflügels zum Besten. So sperren die Kinder Augen und Ohren weit auf, als sie erleben, wie virtuos, der noch nicht zehnjährige Händel einst vor Herzog Johann Adolph I. von Sachsen-Weißenfels auf der Orgel gespielt haben muss. Vielleicht hätte der eine oder andere gerne noch mehr über Händels Zeit am englischen Hof erfahren, doch darüber erzählt Thomas ja vielleicht mehr, wenn er wieder kommt. Hoffentlich!
Ursula Koyer-Heß
Göttinger Tageblatt
