Geoffrey Thomas im Aschaffenburger Bach-Saal
Unerschöpflich einfallsreich
Geoffrey Thomas zu Gast im Aschaffenburger Bach-Saal
Das Konzert war vom Anfang bis zur Zugabe ein einziger perlender Wohllaut. Geoffrey Thomas interpretiert die Stücke, die er spielt, aus selbst erfundenen Geschichten, etwa vom Franz und der Lieselotte bei der Sonate in D-Dur von Joseph Haydn. Die Lieselotte tanzt ausgelassen, wie die Hämmerchen im Klavier, und fragt den Franz, ob er das auch könne. Scheinbar kann er es nicht, denn die Moll-Klänge werden immer „brauner.“ Da trägt er sich mit dem Gedanken Soldat zu werden. Schließlich siegt die Liebe, er lernt tanzen und dann tanzen im letzten Satz die beiden mit den Fingern auf den Tasten um die Wette. Das war nach dem Geschmack von „Papa Haydn” und dem der Zuhörer.
Für die fünf Sätze der „ Partita e-Moll” von Johann Sebastian Bach hatte sich Geoffrey Thomas eine Geschichte von einem Ritter ausgedacht, Musik wie zu einem anspruchsvollen Stummfilm. mit einem atemberaubenden Dichte des Geschehens. Johann Nicolaus Forkel, der erste Bach-Biograf, schrieb über die Bedeutung von Bachs Klavier-Partiten: Wer einige Stücke daraus. recht gut vortragen lernte, konnte sein Glück in der Welt damit machen. Im Anschluss erwies sich Geoffrey Thomas auch als ein glänzender Improvisator mit schier unerschöpflichem Einfallsreichtum und ausgelassener Spielleidenschaft. In den drei Sätzen der „Sonate Es-Dur“ könnte Joseph Haydn der jungen Engländerin, für die er das Werk komponiert hat, sein Eheglück geschildert haben. Beim Steine erweichenden Gekeife seiner Aloysia-Appolonia stampft er mit Akkordsäulen auf, dreht sich um und schaltet heitere Register ein. Wie schrieb doch Forkel? ,…der konnte sein Glück in der Welt machen! “Geoffrey Thomas hat auf jeden Fall das Zeug dazu, der Beifall bewies das.
Christian Giegerich
Main-Echo (Aschaffenburg) 16.6.2004
