Bedrohte Klangwelt

Published by bgthomas

Neue Westfälische

Bedrohte Klangwelt
Geoffrey Thomas in der Capella hospitalis

VON MATTHIAS GANS

Bielefeld. Es gibt Instrumente, die benötigen den geschützten Raum. So das Clavichord, dessen zarter Klang selbst von Beifallsbekundungen bedroht zu sein scheint.

In der Reihe mit dem adäquaten Namen “Klang der Stille: in der Capella hospitalis führte der amerikanische Alte-Musik-Spezialist Geoffrey Thomas vor, wie überraschend innig selbst extrovertiert konzipierte Werke wie Bachs Partita e-moll und einige ausgewählte Präludien und Fugen aus dem zweiten Teil des “Wohltemperierten Klaviers” auf diesem Instrument erklingen können.

Geoffrey stand an diesem Abend ein wunderbar klingendes Reiseclavichord des Bielefelder Cembalo- und Clavichord-Bauers Christian Fuchs zur Verfügung. Es ist ein schlichtes Instrument aus feinjähriger Hochgebirgsfichte mit einem Resonanzboden aus Haselfichte; ein Holz, das, so der Erbauer, eine leichte Ansprache des Tones bewirkt. Geoffrey Thomas wurde der besonderen Herausforderung des sensiblen Anschlags durch ein agogisch frei atmendes Spiel, espressiv verstärkt durch eine dynamisch nuancierte Gestaltung. Unabhängig davon, dass sich Johann Sebastian Bach für die Ausführung der vorgestellten Werke innerhalb eines konzertanten Rahmens vielleicht doch eher ein Cembalo als ein Clavichord vorgestellt hätte, wusste Geoffrey Thomas im intimen Raum die Sinne der Zuhörer im gut besuchten Kirchenraum zu sensibilisieren.

Dass Thomas, seiner schauspielerischen Begabung nachgebend, im Vorfeld der Aufführung die einzelnen Sätze mit eigenen Geschichten bildkräftig ankündigte, mochte dem einen oder anderen Hörer als Richtschnur gedient haben. Aussagekräftig genug war Thomas? Spiel schon allein wegnn seiner sensiblen Rhetorik, mit der er musikalische Figuren und Klanggesten, etwa die Seufzermotivik des f-moll-Präludiums, ausdeutete.

Ein manuell tadelloses Bach-Spiel, das erlauscht werden musste, weil es selbst in seinen explizit virtuosen Moment verinnerlicht wirkte, und somit umso stärker berührte. Für die hupenden Fußballfans auf der Oelmühlenstraße wohl eine unerreichbare Ton- und Empfindungswelt.